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Der Quartettverein Sängerlust Geldern 1920 kann in diesem Jahr auf ein 65jähriges Bestehen zurückblicken. In diesem Zusammenhang bittet der Vorstand der Sängerlust in der „Rheinischen Post“ den nachstehenden Bericht zu veröffentlichen.
In diesem Jahre kann der Quartettverein Sängerlust Geldern auf ein 65jähriges Bestehen zurückblicken. Wenn auch in den Kriegsjahren die Vereinschronik verloren ging, so lässt sich doch durch die Angaben der noch lebenden Gründer in kurzen Zügen der Werdegang des Vereins verfolgen. Unter anderem weiß das heute noch aktiv mitwirkende Vereinsmitglied Peter Schmitz sich noch an die Gründerzeit zu erinnern.
Peter Schmitz arbeitete seinerzeit als Zigarrenmacher bei der Zigarrenfabrik Kersten in Geldern auf der Bahnhofsstrasse, als Anfang des Jahres 1920 im Betrieb eine Liste herumging, um interessierte Männer zu finden, die einen Gesangverein gründen wollten. Es wurde bei der Besatzungsmacht ein Antrag zur Gründung eines Männer- und Arbeitergesangvereins gestellt. Im Jahre 1920 kam die Nachricht, es ward genehmigt.
Im Februar 1920 fand dann in der Gaststätte „Schwarzes Pferd“ die Gründerversammlung statt. So trafen sich 18 Herren zur ersten Probe. Probelokal wurde die Gaststätte „Zum Brauhaus“ in Geldern. Hier nahm als erster Chorleiter Johann Ohlig mit einer Geige die Einstudierungen vor. Es wurde mit Liebe und Freude Lieder der Heimat gesungen, mit einem Wort, man war unter sich.
Wenn der Verein auch zunächst nur 20 Mitglieder zählte, so schafften sie es doch, 1921 bereits eine Vereinsfahne zu beschaffen und diese einzuweihen. Ein großes Festzelt, wo heute die Post steht, war die erste grosse Veranstaltung. 12 auswärtige Vereine gaben sich in Geldern die Ehre. Es war ein Singen und Jubilieren. Von der Leistung der auswärtigen Vereine waren alle Sänger sowie die Bürger begeistert. So kam die Erkenntnis zu versuchen, es gleich zu tun. Anstelle des Herrn Ohlig wurde Willi Hermanns aus Krefeld verpflichtet. Hier begann der eigentliche künstlerische Weg der Sängerlust, so zu singen, dass sie eine feste Gemeinschaft wurden. Es war ein Aufblühen im Vereinsleben zu verzeichnen, so das innerhalb von 2 Jahren der Arbeiter-Gesangverein, welcher jetzt in „Quartettverein Sängerlust 1920 Geldern“ umbenannt wurde, 63 aktive Sänger zählte. Es musste ein grösseres Probelokal gesucht werden, es wurde die Gaststätte „Zur Brille“. Nach einigen Jahren des Aufstiegs, bis 1928, legte zum Leidwesen der Sänger Willi Hermanns den Stab in die Hände von Musikdirektor Fritz Mayer aus Krefeld, der es ausgezeichnet verstand, die Sängerlust zu höchsten Leistungen zu führen. Auch hier war der Aufstieg zu erkennen. Im Jahre 1929 wurden 4 grosse Konzerte in Geldern, Krefeld, Hüls und Rheinhausen gegeben. Veranstaltungen gesellschaftlicher Art, Konzerte usw. lösten sich ab.
Im Laufe des Krieges kam das Vereinsleben zum Erliegen. Zwei Sangesbrüder kehrten leider nicht mehr in die Heimat zurück. Nach dem Krieg suchten ehemalige Sänger wieder Verbindung zu ihrem alten Verein. Keine Noten, kein Blatt Papier, alles verloren, alles vernichtet. Wie sollte es weiter gehen? Einige aufgefundene Notenblätter wurden kopiert oder geschrieben, so dass hier und da ein Lied zusammenkam. Die musikalische Leitung nahm 1947 Herr Studienrat Wilmes auf, welche nicht von langer Dauer war. Dann übernahm der aktiver Sänger Johannes Ophey, der auch unter dem Dirigat von Willi Hermanns sang und aus dieser Zeit heraus die Auffassung der Liedwiedergabe für sein heutiges Wirken mitnahm, die musikalische Aufgabe und siehe da, nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte es vorzüglich. Herr Ophey hatte vor dem Krieg 4 Jahre Gesang in Krefeld bei Herrn Fischer studiert, zugleich Klavierunterricht bei Herrn Müller in Krefeld erhalten. Da fast nach 8 Jahren Soldat sein kein neuer Anfang als Opernsänger möglich war, hat Herr Ophey sich als musikalischer Leiter dem wiedererstandenen Verein 32 Jahre ehrenhalber zur Verfügung gestellt.
Was Johannes Ophey seit 1946 mit dem verhältnismäßig kleinen Chor in den folgenden Jahren in öffentlichen Konzerten leistete, geben die Kritiken der „Rheinischen Post“ wieder. Hier sei darum einiges angeführt: „ in der Regel stehen die Laienmusiker unserer Sänger unter der Leitung von Berufsmusikern. Chorleiter Johannes Ophey ist kein Berufsmusiker. Da er aber durchaus das Format eines ebenso durchgebildeten wie besonnenen und verantwortungsbewussten Dirigenten bietet, verbindet ihn vielleicht seine Hingabe an das Dirigat als Musikliebhaber im so idealistischer und kameradschaftlicher mit seinen Sängern.“
Die Verbundenheit des Quartettverein Sängerlust mit der einheimischen Bevölkerung kam vor allem beim 30 jährigem Jubiläum 1950 zum Ausdruck. Das Abendkonzert der Sängerlust in Geldern wurde unter Chorleiter Johannes Ophey zu einem überzeugenden Beweis des beachtlichen gesanglichen Könnens, dieses nach dem Kriege merklich aufgeblühtem Vereins, der sowohl schwierige klassische Schöpfungen wie auch das schlichte Volkslied pflegt.
Herr Ophey übernahm auch über 20 Jahre den Vorsitz des Vereins, so dass durch die selbstlose Hingabe dieses Mannes mit über 30jähriger Dirigententätigkeit ein Garant für die Erhaltung des Quartettvereins Sängerlust gegeben war. Durch Krankheit musste 1978 Herr Ophey die Chorleitung in andere Hände legen. Als Dank wurde Herr Ophey zum Ehren-Chorleiter ernannt.
Die Begeisterung für das deutsche Lied, welche 1920 ein Dutzend gleich gesinnter Männer zusammenführte, hielt an, so das heute die kleine Schar von Sängern ihre Idealen treu bleibt und das wertvolle Kulturgut in vorbildlicher Weise pflegt. So soll unser wirken ein Dienst an unseren Mitmenschen sein, wie es schon Bruno Stürmer, ein bedeutender Musikhistoriker und Komponist, zum Ausdruck brachte: „Das der singende Mensch sich in die Front derer stellen soll, die sich wehren gegen das Leere, gegen den Materialismus einer Zeit, von der wir nun wirklich sagen können, dass sie die Mitte verloren hat.“
Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsleben bildete das Konzert am 2. November 1952, in dem Willy Schneider mit seinen volkstümlichen Liedern große Begeisterung entfachte. Am 18. April 1970 lud der Quartettverein Sängerlust beim 50jährigem Bestehen zum Festkonzert in den Saal Groterhorst ein, und seine Darbietungen fanden den Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. Der damalige stellvertretende Bürgermeister Lentz dankte dem Jubiläumsverein vor allem „für die vielen frohen Stunden die der Verein Mitbürgern im Krankenhaus, im Altenheim und anlässlich von Goldhochzeiten bereitet habe.“
Seit Ende der siebziger Jahre leiten Werner Baaken als Vorsitzender und Eckehard Hennes als Chorleiter die Geschicke des Vereins. Sie sind beide zweifellos Garant dafür, dass der Quartettverein Sängerlust auch über das 65jährige Jubiläum am 28. September 1985 hinaus sein erfolgreiches Wirken im Gelderner Kulturleben fortsetzen wird.
So sind die Jahre vergangen und man kann sagen, dass das Samenkorn, welches in einer schweren Zeit in die Heimaterde gelegt wurde, doch viele reife Früchte getragen hat.
So wünschen wir der Sängerlust ein erfolgreiches Fest!
Christoph Hans Dahmen (Einer, der 1920 schon dabei war)
Heinrich Arns (Schriftführer)
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